Hanas Wolkenkuckucksheim


Ein Chief Technology Officer wie SAP-Vorstand Vishal Sikka darf den ganzen Tag über Bits und Bytes reden – das erwarte ich von ihm und auch von meinen CTOs.
Aber ein SAP-Gründer und jetziger Vorstandsvorsitzender sollte noch immer das Große und das Ganze im Blick haben.
Das Video aus Palo Alto mit den beiden Kumpels Hasso Plattner und Vishal Sikka war beschämend: Operative ERP-Daten in der Cloud angebunden an die Business Suite über das WWW?
Laut Professor Plattner ist das die Zukunft und gleich dazu auch noch die beste TCO in der SAP-Community.
Wolkenkuckucksheim
„Und wie schaut dein Wolkenkuckucksheim aus?“, fragt mich meine Frau, während sie einen Fotovergleich zwischen Plattner und mir vor 15 Jahren und jetzt macht und meint, dass sie nun sehr froh ist, dass wir kein Segelboot haben, sondern regelmäßig in Österreich Wandern und Bergsteigen gehen.
Zurück in die Wolke und zu meinem Down-to-Earth-Cloud-Projekt.
Im Rahmen unseres neuen zentralen Rechenzentrums in Deutschland habe ich meiner Mannschaft auch die Konzeption eines Cloud-Masterplans befohlen, mit der Vorgabe, es so einfach, aber effizient wie möglich zu gestalten – deswegen auch der interne Projektname Down-to-Earth-Cloud.
Das von Hasso und Vishal präsentierte Konzept inklusive der Monitoring-Software gefällt mir.
Die Visualisierung der Hana Enterprise Cloud ist endlich einmal etwas für unsere jungen Fachkräfte von der Hochschule, die mit Smartphones und Tablet aufgewachsen sind.
Das schnelle Deployment einer HanaDB mit der Monitoring-Software hat im Video überzeugend ausgesehen.
Ja, ich würde eventuell diese Hana Enterprise Cloud kaufen und bei mir im Rechenzentrum für unseren Konzern als Private Cloud betreiben.
Gratulation an die beiden IT-Freaks und Enthusiasten Hasso und Vishal!
Wie aber jemand auf die Idee kommen könnte, die eigene Datenbank für die Business Suite in die Wolke zu schieben und als Nabelschnur das WWW zu akzeptieren, kann ich mir nicht erklären.
Cloud-Services, ja natürlich, aber die ERP–Datenbank nicht im eigenen Rechenzentrum ist nicht nur fahrlässig, sondern auch unlogisch:
Weder eine Datenbank noch die dazu notwendige Infrastruktur, auch nicht die DB-Admin-Personalkosten rechtfertigen ein Outsourcing.
Hosting eines kompletten ERP-Systems macht Sinn und wer will, kann das Cloud Computing nennen.
Das SAP-Video habe ich aber so verstanden, dass die Datenbank von der Business Suite getrennt wird und als HanaDB in die Hana Enterprise Cloud wandert, während die Business-Suite-Applikationsserver bei mir im Rechenzentrum bleiben.
Verbunden wird alles, laut Hasso und Vishal, über das Internet, das offensichtlich jetzt ein Antwortzeitverhalten von wenigen Millisekunden hat.
Mir ist diese Technik nicht bekannt: Wir haben unsere eigenen Telekommunikationsleitungen unter anderem bei Tata Communications gemietet, das funktioniert hervorragend, hat aber auch seinen Preis.
Um das WWW machen wir, wann immer es möglich ist, einen großen Bogen.
Ich denke, dass auch Hasso und Vishal eigentlich International Private Lines, Global WANs und Enterprise Adaptive Network Services gemeint haben.
Aber vor Analysten und Journalisten reagiert neuerdings bei SAP die Marketingsprache. Schade, dass auch Hasso und Vishal sich diesem Marketingdiktat beugen müssen.
Die Präsentation war somit grauenhaft und ich kann nur hoffen, dass Chefredakteur Färbinger mich nicht mehr nötigt, SAP-Videos zu konsumieren.
Keine Sapphire 2013 in Europa!
Das passt wie die Faust aufs Auge.
Zuerst das SAP-Video aus den USA und dann die Demütigung Europas. Wäre ich passionierter Segler und wüsste, dass der America‘s Cup dieses Jahr in San Francisco stattfindet und wäre Larry Ellison von Oracle mein Lieblingsfeind, dann würde ich auch mein Büro in Palo Alto haben und mit Vishal Sikka an den Hana-Servern schrauben – aber ich bin CIO und EVP eines globalen Konzerns mit Unternehmenssitz in Europa.
Keine Sapphire in Europa ist unverzeihlich!
Ich war erst dreimal auf einer Sapphire und habe mir geschworen, nie wieder eine zu besuchen, aber für meine Mitarbeiter ist die europäische Sapphire/TechEd eine wichtige Informations- und Kommunikationsveranstaltung.
Und gerne bestätige ich hier anonym, dass die Sapphire in Madrid immer auch ein Dankeschön in Form eines Incentives an meine Mitarbeiter war.
Gebt mir drei Minuten mit dem Sapphire-Verantwortlichen und sofort gibt es wieder diesen europäischen Event.
Weitere drei Minuten und ich verrate alle Tricks, wie man mehr als 5.000 Besucher auf die Sapphire bekommt.
Was Oracle, salesforce.com und Apple schaffen, müsste auch für eine SAP möglich sein. In Europa ist es für SAP ein Heimspiel.
Ich erinnere mich noch an die besseren Zeiten, als die österreichischen Kollegen mit einem SAP-Charterflug von Wien zu den europäischen Sapphires kamen.
Es funktioniert, wenn man sich gegen die amerikanischen Controller sowie Sales- und Marketingmanager stemmt.